Zwei, die zusammen gehören:
Die Brauerfamilie Georg Schneider und das Weissbier

Wer sich heute mit der Geschichte von Schneider Weisse beschäftigt, stößt auf zwei Geschichten in unterschiedlichen Zeiten, die schließlich ineinander verschmelzen. Die eine spielt in der Vergangenheit und dreht sich um Herzog Maximilian I. und die Gründung des Weissen Brauhauses zu Kelheim, der heutigen Braustätte von Schneider Weisse. Die andere beginnt zwar in der Vergangenheit, währt aber bis heute mit der Weissbierbrauerfamilie Schneider, die ihr Erbe immer an den nachfolgenden Georg Schneider weitergegeben hat.

1607 1872 1890 1907 1924 1945 1958 Heute
Herzog Maximilian I. und das Weisse Brauhaus zu Kelheim

In der Zeit von Herzog Maximilian I., also vor knapp 400 Jahren, ist Weissbier das Bier des Adels und der höheren Stände und damit in praktisch allen Bevölkerungsschichten sehr begehrt, weil sich das gemeine Volk an der Obrigkeit orientiert. Die Herstellung und der Vertrieb von Weissbier war zuvor über Jahrhunderte hinweg das alleinige Recht einer einzigen Adelsfamilie, nämlich der Degenberger aus Bogen.

Durch Erbschaft fällt das „Weissbierregal“ (das Recht, Weissbier zu brauen) an Herzog Maximilian I., den späteren Kurfürsten. Dieser sieht das gewaltige finanzielle Potenzial von Weissbier und gründet im ganzen Land zahlreiche herzogliche Weissbierbrauereien, die erste im Jahre 1607 in Kelheim. Genau diese Brauerei fällt 1928 in den Besitz der Familie Schneider und wird von 1946 an zur Produktionsstätte von Schneider Weisse. Aber dies nur als Vorgriff.

Bis ins 18. Jahrhundert hinein dominiert Weissbier den Biermarkt. Dann beginnt sich das Blatt zu wenden: Der Geschmack der Biertrinker verändert sich und man gibt immer mehr dem Braunbier den Vorzug. Damit fallen auch die Einnahmen für die Staatskassen immer geringer aus. Dennoch: Das Weissbiermonopol bleibt erhalten, nur ist es nicht mehr so lukrativ.

 

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Die Gründer der Familienbrauerei: Georg Schneider I. und Sohn Georg II. (1872)

Die Wurzeln der Familie Schneider liegen in München. Der Gründer, Georg Schneider I. ist dort zwischen 1855 und 1873 Pächter des Königlich Weissen Hofbräuhauses zu München.

Zu dieser Zeit bevorzugt die Bevölkerung untergärige Biere (damals als Braunbiere bekannt), die in immer größeren Mengen produziert werden. Auf Grund der engen Verhältnisse im Königlich Weissen Hofbräuhaus beabsichtigt man hier die Produktion von Weissbier ganz aufzugeben.

Das ist die Stunde von Georg Schneider. Er glaubt an eine Zukunft für die alte obergärige Brauweise und verhandelte deshalb während der Regierungszeit von König Ludwig II. mit dem bayerischen Hofbräuamt über die Ablösung des „Weissbierregals“ (das Recht, Weissbier zu brauen). Als erster Bürgerlicher erhält er das Recht, Weissbier zu brauen.

Nahezu gleichzeitig ergibt sich für Georg Schneider I. die Möglichkeit, den still gelegten Maderbräu käuflich zu erwerben. Nach einer etwa einjährigen Umbauzeit gründet er zusammen mit seinem Sohn Georg Schneider II. die Firma „G. Schneider & Sohn“ und beginnt im September 1872 sein eigenes „gar köstlich mundendes Weissbier“ zu brauen. Das ist die Geburtsstunde der Schneider Weisse.



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Markenstärkung und Bauphase unter Georg III. (1890)

Nach dem frühen Tod des Vaters, der 1890 im Alter von nur 44 Jahren stirbt, übernimmt Georg Schneider III. die Geschäfte bereits als 20jähriger. Er stärkt die Marke Schneider Weisse, indem er beim Münchner Patentamt die gekreuzten Ähren als weltweit allererste Weissbiermarke eintragen lässt.

Das Hauptaugenmerk von Georg Schneider III. liegt aber auf dem Aus- und Umbau der Münchner Braustätte. Da der Publikumszulauf die Möglichkeiten des zu eng gewordenen Ausschankes sprengte, entschließt er sich zur Erneuerung und Erweiterung des Ausschankbereiches.

Auch Georg Schneider III. ist nur eine kurze Lebensspanne gegönnt. Im Jahre 1905 verstirbt er im Alter von 35 Jahren, als sein Sohn Georg IV. gerade sechs Jahre alt ist und die Ausbildung noch vor sich hat. Zusammen mit einem nahen Verwandten übernimmt Mathilde Schneider, die Witwe von Georg III., daher die Leitung für ihren Sohn Georg. Trotz dieser schwierigen Zeit kann sie zukunftsweisende Entscheidungen treffen, deren Auswirkungen erst viel später erkannt und gewürdigt werden können.


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Aventinus-Einführung und Marktausweitung (1907)

Bald stellt sich heraus, dass das überlieferte Schneider Weisse-Rezept so gut ist, dass sich damit auch ein Weizenstarkbier brauen lässt. So bringt die Brauerei 1907 das erste Weizenstarkbier Bayerns auf den Markt: den Aventinus. Benannt nach dem ersten Geschichtsschreiber Aventinus.

Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges kann das Unternehmen zur größten Weissbierbrauerei Süddeutschlands ausgebaut werden. Die darauf folgenden Kriegsjahre werfen allerdings enorme Schwierigkeiten auf: Zuerst bereitet die Beschlagnahmung von Güterwagen Transportprobleme. Danach führt die Kontingentierung der Rohstoffe zwangsläufig zu einer Senkung des Stammwürzegehalts und schließlich kommt es zu temporären Brauverboten. Die Nachkriegsjahre bringen dem Braugewerbe keine Besserung. Während der Inflation klettert der Bierpreis pro Liter auf einen Höchststand von 12.700.000 Mark. Etwa die Hälfte der bayerischen Brauereien muss ihren Betrieb einstellen.



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Georg IV. expandiert (1924)

1924 übernimmt Georg Schneider IV. das Unternehmen. In den wenigen Zwischenkriegsjahren erwirbt er weitere Brauereien in München, Straubing und auch das Weisse Brauhaus in Kelheim, in das später die Produktion verlagert wird. In diesen Jahren ist Schneider Weisse mit einem eigenen Bierzelt auf dem Oktoberfest vertreten.

Es sind aber nur wenige Jahre die ein gedeihliches Wirken ermöglichen. Die Weltwirtschaftskrise und eine damals noch nicht vorstellbare Arbeitslosigkeit führen letztlich zur Machtergreifung des Nationalsozialismus und zu den schlimmen Folgen, die hinlänglich und allgemein bekannt sind.

Mit Beginn des zweiten Weltkrieges beginnt eine erneute Zwangsbewirtschaftung, die Rohstoffe werden knapp und die Bevölkerung muss sich mit Dünnbier oder Molkelimonade begnügen. Zudem folgt ein Bombenkrieg, der die deutschen Städte in furchtbare Mitleidenschaft zieht. 1944 werden die Münchner Braustätte im Tal sowie die meisten brauereieigenen Ausschankstellen in München und Augsburg durch Bomben zerstört. Nach dem Krieg steht Georg Schneider IV. vor den Trümmern jahrzehntelanger Aufbauarbeit.



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Abschied von München (1945)

Nach der Zerstörung des Münchner Produktionsbetriebes und der meisten Absatzstätten wird eine schnelle Entscheidung notwendig: Soll das Unternehmen ganz aufgegeben werden oder wagt man einen Neuanfang? Georg Schneider IV. entschließt sich für letzteres.

Glücklicherweise konnte schon im Jahre 1928 das ehemals Kurfürstliche Weisse Hofbräuhaus in Kelheim käuflich erworben werden. Dieser total veraltete Betrieb ist zwar während des Krieges im Wesentlichen unzerstört geblieben, die notwendigen Neuinvestitionen bergen aber ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Immerhin kommen zwei glückliche Umstände zu Hilfe: Die amerikanische Besatzungsmacht findet Gefallen am Weissbier und erteilt der „Brauerei G. Schneider & Sohn“ bereits vier Monate nach Kriegsende eine Sondererlaubnis zur Aufnahme der Produktion. Und glücklicherweise finden wieder weite Bevölkerungskreise zunehmend Geschmack an der prickelnden Weissbierspezialität.


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Modernisierung, Ausstoßsteigerung und Sortimentserweiterung durch Georg Schneider V. (1958)

1958 übernimmt Georg Schneider V. die Leitung der Brauerei. Als Mitte der 60er Jahre zum ersten Mal die Frage nach umfangreichen Erweiterungsmaßnahmen auftaucht, entschließt sich die Familie die notwendigen Vergrößerung in die alte Bausubstanz zu integrieren. Unter dem Leitsatz „Altes bewahren, Neues schaffen“ treibt Georg Schneider V. eine grundlegende Modernisierung des Betriebs voran und forciert die kontinuierliche Ausstoßsteigerung.

Beim Gärkellerneubau 1983 bewahrt Georg Schneider V. durch ein innovatives und sogar patentiertes Verfahren die traditionelle Brauweise in offenen Gärbottichen, während diese andernorts durch kostengünstige Tankgärungen abgelöst wird. In den nächsten Schritten erfolgen der Sudhausneubau 1989, die Modernisierung der Flaschenfüllerei sowie der Neubau des Logistikzentrums im benachbarten Saal an der Donau.

Auch die Absatzstätten werden in dieser Zeit von Grund auf erneuert. Das größte Bauprojekt ist hier das Weisse Brauhaus in München im Tal. In zwei Bauphasen, 1988 und 1993, werden der erste Stock und der Giebel renoviert. Erst jetzt können die Kriegsschäden wieder behoben werden und der Zustand von 1905 wieder hergestellt werden.

Zudem verfolgt Georg Schneider V. eine konsequente Sortimentsabrundung im Weissbiersegment. Zu den bereits bekannten Sorten ,Schneider Weisse Original’ und ,Aventinus’ kommen ,Unsere leichte Weisse’, ,Schneider Weisse Alkoholfrei’ ,Schneider Weisse Kristall’ und ,Schneider Weisse Weizenhell’.



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Heute wie 1872: Bestes Weissbier aus Familientradition mit Georg VI.

Seit dem Jahr 2000 leitet Georg Schneider VI. die Geschicke des Hauses und einen Georg VII. gibt es auch, der geht aber noch zur Schule.

In allen Bereichen der Schneider Weisse-Brauerei wird das Denken und Handeln von höchstem Qualitätsbewusstsein geprägt. Das gilt nicht nur hinsichtlich der Produkte, sondern aller Prozesse und Leistungen im Hause. „Unser wichtigster Erfolgsfaktor sind unsere Mitarbeiter“, betont Georg VI., „denn einen solch kompromisslosen Qualitätsgedanken kann man nur mit motivierten, kompetenten und qualitätsbewussten Mitarbeitern umsetzen.“

Georg VI. steht auch für ein gezieltes Verknüpfen von Tradition mit Innovation. Was für ihn traditionelle Verpflichtung ist im Hinblick auf das Brauverfahren und das Gewähren eines gleich bleibend hohen Qualitätsstandards, ist andererseits die Verpflichtung zur innovativen Unternehmensführung. Ein respektvoller, fairer und partnerschaftlicher Umgang miteinander ist einer der Grundsätze, die nicht nur in der Unternehmensphilosophie festgeschrieben sind, sondern auch täglich gelebt werden.

Vor über 130 Jahren in München aus der Taufe gehoben, setzt die Schneider Weisse ihren Erfolgskurs im In- und Ausland fort. Vom Brauereigründer bis hin zum Ur-Ur-Urenkel in sechster Generation sind die Schneiders eine Brauerfamilie mit Unternehmerinitiative als Garantie für eine erfolgreiche Zukunft.

In diesem Sinne: Ein Prosit auf die Schneider Weisse!


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